Schlaf in der Herzreha: Was gegen Schlaflosigkeit hilft
By ELESSAR

Schlaf in der Herzreha: Was gegen Schlaflosigkeit hilft
Viele Menschen, die nach einem Herzinfarkt oder einer Bypass-Operation in die Rehabilitation kommen, schlafen schlecht. Ein neues Review fragt, was dagegen tatsächlich untersucht wurde und was davon hilft.
Wer einen Herzinfarkt überlebt hat oder mit einer Herzschwäche lebt, durchläuft in vielen Ländern ein strukturiertes Programm: die kardiale Rehabilitation. Sie kombiniert Bewegungstraining, Aufklärung und psychologische Begleitung, um das Herz zu stärken und das Rückfallrisiko zu senken. Ein Faktor blieb dabei lange am Rand: der Schlaf. Genau hier setzt eine im Fachblatt Sleep and Breathing erschienene Arbeit an. Es handelt sich um ein systematisches Review, also eine Zusammenschau: Die Forschenden haben nicht selbst Patienten behandelt, sondern nach allen kontrollierten Studien gesucht, die untersucht haben, ob und wie sich Schlafprobleme bei Menschen in der Herzreha gezielt behandeln lassen. Im Zentrum stand die Insomnie, das anhaltende Ein- und Durchschlafproblem mit Folgen am Tag. Aus einer breiten Datenbanksuche filterten die Autorinnen und Autoren die Arbeiten heraus, die eine Behandlung gegen eine Vergleichsbedingung stellten, und werteten aus, was diese Interventionen für Schlafqualität und verwandte Größen brachten.
Über die eingeschlossenen Studien hinweg zeichnet sich ein klares Bild ab, welche Ansätze überhaupt geprüft wurden. Am häufigsten und am überzeugendsten schnitt die kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie ab, im Fachjargon CBT-I. Dabei lernen Patienten, ihre Schlafgewohnheiten umzustellen, Grübelschleifen zu unterbrechen und die Zeit im Bett besser an den tatsächlichen Schlaf anzupassen. In den einbezogenen Untersuchungen verbesserte dieser Ansatz die selbstberichtete Schlafqualität deutlicher als die jeweiligen Vergleichsbedingungen. Daneben tauchten weitere Zugänge auf, etwa strukturiertes Bewegungstraining, Entspannungsverfahren und Aufklärungsangebote zur Schlafhygiene. Diese zeigten teils günstige, aber uneinheitlichere Effekte. Wichtig ist die Art der Messung: Der Schlaf wurde in vielen Studien über Fragebögen erhoben, also über die Einschätzung der Betroffenen selbst, nicht über objektive Messungen im Schlaflabor. Das erklärt, warum sich Verbesserungen im Erleben leichter zeigen als in harten körperlichen Kennwerten.
Dass schlechter Schlaf und Herzkrankheiten zusammenhängen, ist gut belegt. Anhaltende Insomnie geht mit höherem Blutdruck, mehr Entzündungsaktivität und einem ungünstigeren Verlauf von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher. Wer nach einem kardialen Ereignis schlecht schläft, ist zudem oft weniger belastbar im Training und anfälliger für depressive Verstimmungen. Vor diesem Hintergrund ist die eigentliche Botschaft des Reviews weniger eine einzelne Zahl als eine Lücke, die es sichtbar macht: Der Schlaf ist ein behandelbarer Teil der Genesung, der in der kardialen Rehabilitation bislang selten systematisch adressiert wird. Die kognitive Verhaltenstherapie gilt außerhalb des Herzkontexts längst als Mittel der ersten Wahl gegen chronische Insomnie, weil sie ohne die Nebenwirkungen und Gewöhnungsrisiken von Schlafmitteln auskommt. Dass sie sich auch in diese besonders gefährdete Gruppe übertragen lässt, ist der plausibelste und praktisch bedeutsamste Befund. Ein Review beweist allerdings nichts Neues, es ordnet vorhandenes Wissen. Und die Menge dieses Wissens ist hier noch überschaubar.
Für Menschen, die nach einem Herzereignis schlecht schlafen, legt diese Zusammenschau nahe, das Thema nicht als Nebensache abzutun. Schlafprobleme in der Rehabilitation lassen sich ansprechen, und es gibt untersuchte, nicht-medikamentöse Wege, mit ihnen umzugehen. Wer betroffen ist, kann das Thema aktiv im Reha-Team oder bei der behandelnden Ärztin ansprechen und nach verhaltenstherapeutischen Angeboten für den Schlaf fragen. Allgemeine Bausteine, die in den Studien eine Rolle spielten, sind regelmäßige Schlafzeiten, ein maßvoller Umgang mit der Zeit im Bett und Bewegung am Tag. Was davon im Einzelfall sinnvoll ist, gehört in die Hand von Fachleuten, gerade weil Herzmedikamente und die Belastungssteuerung im Training individuell abzustimmen sind. Selbst gewählte Schlafmittel sind kein Ersatz für dieses Gespräch.
Die Aussagekraft dieses Reviews ist durch die zugrunde liegenden Studien begrenzt. Es waren wenige Arbeiten mit teils kleinen Teilnehmerzahlen, unterschiedlichen Interventionen und uneinheitlichen Messverfahren, was einen direkten Vergleich erschwert. Der Schlaf wurde überwiegend über Selbstauskunft erfasst, die durch Erwartungen und Stimmung gefärbt sein kann; Studien mit Verhaltenstherapie lassen sich zudem kaum verblinden, weil Teilnehmende wissen, dass sie eine aktive Behandlung erhalten. Die Nachbeobachtungszeiträume waren häufig kurz, sodass offen bleibt, ob Verbesserungen über Monate hinweg anhalten. Und ob sich der bessere Schlaf am Ende auch in harten Herz-Kreislauf-Ergebnissen niederschlägt, etwa in weniger erneuten Ereignissen, lässt sich aus diesen Daten nicht ablesen. Es geht hier um Schlafqualität, nicht um Überlebenszeit.
Schlaf gehört zur Genesung nach einem Herzereignis, und er lässt sich behandeln. Das Review macht sichtbar, dass die kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie der am besten untersuchte und vielversprechendste Weg ist, ohne die Risiken von Schlafmitteln. Gleichzeitig zeigt es, wie schmal die Studienbasis noch ist. Für die Praxis heißt das vor allem: den Schlaf in der Herzreha ernst nehmen und ihn nicht länger als privates Randproblem behandeln.
Quellen
- Interventions for sleep disturbance in cardiac rehabilitation: a systematic reviewet al. · 2026 · Sleep and BreathingDOI 10.1007/s11325-026-03707-xPMID 42176203
